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  • Krizia Köhler

Was ist bitte dieses Jobportfolio?

Ist dein Beruf mit einem Schlagwort erklärbar? Ärztin, Lehrerin oder Pianistin zum Beispiel? Nein? Dann haben wir etwas gemeinsam. Ich bin freie Lektorin, Kommunikatorin, Autorin und PR-Spezialistin, alles in einem. Es ist nicht so einfach, den Großeltern einen Begriff wie Kommunikatorin zu erläutern oder Sidepreneur oder Public Relations. Und wenn ich in Formularen ankreuzen muss, in welcher Form ich arbeite, dann benötige ich zwei Kreuze. Eines bei Angestellt und eines bei Freiberuflich tätig oder Selbstständig. Ich arbeite nämlich in einem Jobportfolio.


Berufsbiografien sind schon lange nicht mehr eindimensional. Viele Menschen kennen trotzdem noch lediglich Schwarz und Weiß, wenn es um die Arbeit und ihre Definition geht. Entweder wir sind die oben genannte Lehrerin, oder Arzt oder vielleicht Ingenieurin. Die Spezialisierung steht im Fokus. Menschen mit vielen Interessen fühlen sich von solchen Denk- und Arbeitsweisen häufig eingeengt und missverstanden.


Ich durfte für mich feststellen, dass ich zur Gruppe der sogenannten Scanner oder Mehrfachinteressierten gehöre. In Jobs mit zu viel Routine und wenig Abwechslung langweile ich mich schnell. Dennoch hat es Jahre gebraucht, bis ich mich traute, meinen eigenen Weg zu gehen mit der Selbstständigkeit neben dem Hauptberuf in Festanstellung. Seit einigen Monaten bin ich im Jobportfolio unterwegs. Auf den Begriff stieß ich erstmalig im Podcast von Jannike Stöhr. Sie ist Coach, Autorin und Bloggerin und war auch bereits als Job-Testerin unterwegs. Ein Jobportfolio meint einfach ein Bausteinsystem für die Karriere. Beispielsweise Teilzeit in einer Festanstellung plus eine nebenberufliche Selbstständigkeit. So ist es bei mir.


Die Motivation eines Sidepreneurs speist sich in den meisten Fällen aus drei Quellen – die innere Liebe für das Erschaffen von Neuem, das Verlangen nach selbstbestimmten Arbeiten sowie die persönlichen Ziele. –Michael Dohlen auf sidepreneur.de

Bei meinem Modell des Jobportfolios bin ich als Sidepreneurin unterwegs. Ich bin damit einen großen Schritt in Richtung selbstbestimmtes Arbeiten gegangen, meine Hauptmotivation. Wie sieht mein Alltag konkret aus? Montags bis donnerstags arbeite ich weiterhin als Verantwortliche für externe und interne Unternehmenskommunikation in einer Bank. Ich organisiere Events, steuere Projekte und vergebe Aufträge an Agenturen. Außerdem lektoriere ich auch hier regelmäßig Artikel und den jährlichen Geschäftsbericht. Freitags und auch am Wochenende bin ich solo unterwegs als freie Lektorin. Ich arbeite hybrid, also einige Tage im Büro der Bank und einige Tage im Homeoffice. Nicht nur in meiner Rolle als Lektorin kann ich flexibel von zu Hause aus arbeiten, sondern auch im Rahmen meiner Festanstellung.


Arbeiten im Portfolio hat für mich nur Vorteile. Allerdings ist das eine sehr individuelle Sichtweise. Im Folgenden liste ich einige Vor- und Nachteile dieses Karrieremodells auf.



Vorteile


  • Dein Einkommen setzt sich aus mehreren Einnahmequellen zusammen. Bei einem Ausfall, beispielsweise eine Kündigung, bist du auf einem anderen Standbein noch abgesichert.

  • Du kannst verschiedene Interessen und Wirkungsbereiche unter einen Hut bringen, sogar einen Branchen-Spagat bewerkstelligen.

  • Im Portfolio hast du mehr Abwechslung im Joballtag. Möglicherweise steigert das für dich Motivation und Freude.

  • Du bist flexibler. Wenn dir ein Projekt nicht gefällt, kannst du diesen Teil deines Portfolios ersetzen, beispielsweise eine neue Tätigkeit in Teilzeit oder aber eine Kooperation beenden und nach neuen Partnerschaften suchen.

  • Eine nebenberufliche Gründung kann zu einer einhundertprozentigen Selbstständigkeit werden. Ebenso kannst du dich von der Freiberuflerin oder dem Freiberufler hin zur Unternehmer*in entwickeln. Das Ganze ist ein Prozess, den du behutsam, ganz in deinem eigenen Tempo, gestalten kannst.


Nachteile

  • Mögliche Gehaltseinbußen: Teilzeit bringt weniger ein als eine Vollzeit-Stelle und eine Neugründung braucht Zeit, um Gewinn zu erwirtschaften.

  • Auch Einkommensschwankungen können ein Nachteil sein.

  • Beförderungen gehen meist eher an langjährige Mitarbeitende in einer Firma, die in Vollzeit arbeiten. Natürlich schließt ein Jobportfolio nicht aus, dass du eine Stelle mit einer klassischen 40-Stunden-Woche innehast und nebenbei selbstständig arbeitest.

  • Es wird noch schwieriger, deiner Oma alle deine beruflichen Aktivitäten zu erklären. ;-)

Gehörst du auch zur Spezies Sidepreneur oder arbeitest auf andere Art in einem Jobportfolio? Was liebst du an deiner Art zu arbeiten und was treibt dich jeden Tag an? Lass es mich und die anderen Lesenden gerne durch einen Kommentar wissen.

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